Rentenkommission legt Kurs vor – jetzt muss die Koalition liefern

Der demografische Wandel setzt das Rentensystem seit Jahren unter erheblichen Druck: Immer weniger Beitragszahler finanzieren die Altersvorsorge einer wachsenden Zahl von Rentnerinnen und Rentnern. Bliebe eine Reform aus, würden Beitragssätze und Bundeszuschüsse stark steigen – während das Rentenniveau sinkt. Die Kommission hat in einem breiten, einstimmigen Konsens konkrete Maßnahmen erarbeitet, die diesen Teufelskreis durchbrechen sollen.

Das Reformpaket stützt sich auf mehrere zentrale Bausteine, die nur gemeinsam ihre Wirkung entfalten. Dazu zählt die neue Kapitalrente: Die geplante Partizipation am Kapitalmarkt nach skandinavischem Vorbild soll es ermöglichen, die Renten langfristig zu stabilisieren und sogar zu steigern, ohne die Jüngeren allein mit höheren Beiträgen zu belasten. Die Finanzwissenschaft stützt diesen Ansatz seit Langem: Kapitalgedeckte Elemente im Rentensystem erhöhen nachweislich die Renditechancen und dämpfen den demografischen Druck auf das Umlagesystem – so die konsistente Einschätzung führender Ökonomen wie des Sachverständigenrats. „Über die Beteiligung an den Kapitalmärkten können die Bürgerinnen und Bürger nun an der wirtschaftlichen Entwicklung teilhaben – das ist ein echter Paradigmenwechsel", so Pauls, der zum Finanzverhalten privater Haushalte geforscht hat.

Ebenso wichtig ist die Wiedereinführung des Nachhaltigkeitsfaktors: Er koppelt die Rentenanpassungen wieder stärker an das Verhältnis von Beitragszahlern und Rentenbeziehern und sichert so die finanzielle Tragfähigkeit des Systems über den demografischen Wandel hinaus. Hinzu kommt die schrittweise Anhebung des Renteneintrittsalters entsprechend der steigenden Lebenserwartung, die für mehr Fairness zwischen den Generationen sorgt. Und die gezielte Stärkung kleiner Renten sorgt dafür, dass diejenigen, die ein Leben lang gearbeitet haben, im Alter nicht auf Grundsicherung angewiesen sind.

Bereits im vergangenen Herbst hatte Pauls gemeinsam mit der Jungen Gruppe der Unionsfraktion Teile des damals beschlossenen Rentenpakets kritisiert – aus Überzeugung, dass kurzfristige Sicherungsversprechen ohne strukturelle Reformen auf Kosten der jüngeren Generationen gehen. Die Empfehlungen der Kommission zeigen nun in die richtige Richtung: strukturelle Reformen mit der Generationengerechtigkeit im Blick.

Für Pauls ist klar: Die Arbeit der Kommission war wichtig – entscheidend ist jetzt die Umsetzung. „Die Kommission hat den Weg geebnet – jetzt muss die Bundesregierung das Gesamtpaket schnell und eins zu eins umsetzen", so Pauls. „Dieses große Paket kann ein echter Neuanfang sein: Es beinhaltet echte Substanz und nicht nur Symbolik. Die Sozialversicherungen demografiefest für die Dreißigerjahre zu machen, war immer oberste Priorität – und das ist nun möglich." Er begrüßt ausdrücklich, dass sowohl Bundeskanzler Friedrich Merz als auch Bundesarbeitsministerin Bärbel Bas unmissverständlich signalisiert haben, das Paket vollständig und zügig ins Gesetz zu bringen. „Die Koalition darf diesen Moment nicht verspielen. Das Gesamtpaket muss kommen – kein Rosinenpicken, keine Aufweichung. Wir schulden das den Menschen, die heute einzahlen, und denen, die morgen in Rente gehen. Wenn Union und SPD diesen Weg gemeinsam ins Ziel gehen, ist viel gewonnen", betont Pauls.

 
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